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"Kleines Stadttheater Gerolzhofen"

Mit den großartigen Aufführungen des „Großen Welttheaters“ nach Hugo von Hofmannsthal im Oktober 2010 in der Stadtpfarrkirche haben sich die Laienschauspieler aus dem Raum Gerolzhofen einen Namen gemacht. Und der gute Ruf wurde in diesem Jahr durch die lyrisch-poetischen Abende in der Rüstkammer des Alten Rathauses noch gefestigt.

Nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Die Theatergruppe unter der künstlerischen Leitung von Silvia Kirchhof soll eine feste, dauerhafte Größe werden. Einen eigenen Namen hat das Projekt schon: „Kleines Stadttheater Gerolzhofen“.

Jährlich soll eine Aufführung in Gerolzhofen auf die Bretter, die für Schauspieler die Welt bedeuten, gebracht werden. Mitmachen kann jeder. „Wir sind ab 2012 Mitglied des Verbandes Bayerischer Amateurtheater e. V.“, teilt Silvia Kirchhof der Main-Post mit. „Somit sind alle Akteure unfallversichert und die Veranstaltungen sind auch haftpflichtversichert.“

Im kommenden Jahr soll der Auftakt gelingen mit der „Pension Schöller“, einer Komödie in drei Akten von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby. Aufführungsort wird das neue Pfarrer-Hersam-Haus sein.

Einen ersten Informationsabend zur „Pension Schöller“ wird es schon am Dienstag, 10. Januar, geben, und zwar um 20 Uhr im Kompetenzzentrum der Schreinerei Döpfner, in der Max-Planck-Straße in Gerolzhofen. Eingeladen sind dazu alle Interessierten – egal, ob sie vor oder hinter den Kulissen mitmachen wollen.

Bei diesem ersten Informationsabend werden die 15 Rollen des Theaterstücks vorgestellt und fürs Casting die Szenen vergeben. Das eigentliche Casting ist eine Woche später, am Dienstag, 17. Januar, um 20 Uhr. Horst Kiss ist diesmal als Profi-Schauspieler dabei.

Die Premiere ist am 11. Oktober 2012. Weitere Termine sind am 12. und 13.Oktober.

„Ich möchte diesmal zeigen, dass auch eine Komödie anspruchsvoll auf die Bühne gebracht werden kann“, sagt Kirchhof.

Für die weiteren Jahre ist geplant, abwechselnd leichte und ernste Stoffe auf die Bühne zu bringen. Nach der „Pension Schöller“ steht deshalb für das Jahr 2013 bereits „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing auf dem Plan. Gespielt wird dann in der neuen evangelischen Erlöserkirche.

Welttheater mit Laien besetzen

 

Alle, die Interesse haben, bei der Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals Moralitätenspiel „Das Salzburger große Welttheater“ in der Stadtpfarrkirche mitzuwirken, sind zu einem ersten Informationstreffen am Freitag, 19. Februar, um 20 Uhr ins Pfarrer-Hersam-Haus eingeladen.

Wie berichtet, möchte die Gerolzhöferin Silvia Kirchhof, bekannt durch zahllose Bühnenauftritte (Café Sehnsucht, Duo Sehnsucht) das Stück des österreichischen Autors aus dem Jahr 1922 mit schauspielerischen Laien auf die Bühne bringen.

Melden können sich nicht nur Leute, die im Rampenlicht der Bühne stehen werden, sondern auch Schneiderinnen, Visagisten und sonstige tatkräftige Unterstützer hinter den Kulissen.

Zu dem Treffen darf gerne auch kommen, wer sich erst einmal nur unverbindlich informieren möchte. Ideal wären für Regisseurin Silvia Kirchhof Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 55 Jahren.

Sobald feststeht, wer mitarbeiten möchte, kommt es zur Auswahl der Schauspieler. Die eigentlichen Proben beginnen Ende Februar und sollen immer montags stattfinden. Silvia Kirchhof will beim Einstudieren des Stücks bis zur Aufführung am 9. und 10. Oktober neue Wege gehen.

Erst einmal soll es Schauspielunterricht für alle geben. Silvia Kirchhof führt dabei die Laien in die wichtigsten Bühnengesetze ein, vor allem in die Körpertechnik. In den ersten acht bis zehn Wochen möchte die Künstlerin alle auf einen gemeinsamen Stand bringen.

Unterstützt wird sie dabei vom Würzburger Schauspieler und Theologe Markus Grimm, der als Profi eine Hauptrolle übernehmen wird. Und Monika Freiberger, bekannt als Co-Regisseurin beim Festspiel zum 1200-jährigen Bestehen der Stadt, wird diese Funktion auch diesmal inne haben.

Zwei „Laien“ haben sich übrigens schon gefunden: Der katholische Pfarrer Stefan Mai und sein evangelischer Kollege Jean-Pierre Barraud haben bereits zugesagt, Rollen im „Welttheater“ zu übernehmen.

Es bleibt bei vier Vorstellungen

Die Regisseurin hat zwar am Dienstag noch einmal versucht, mit dem Ensemble eine weitere Vorstellung „auszuhandeln“, aber dabei keinen Erfolg gehabt. Kirchhof hat dafür Verständnis und weist darauf hin, dass fast alle Laienakteure berufstätig und durch das intensive Proben und vier Auftritte innerhalb von vier Tagen an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt sind. Auch die inzwischen von Technikern aufgebaute Bühne könne nicht so lange in der Stadtpfarrkirche bleiben. Wegen der Bühne mit ihrer hochwertigen Technik ist übrigens das Gotteshaus bis zur Premiere am Samstag auch tagsüber geschlossen. Silvia Kirchhof hat bereits über eine Wiederholung im kommenden Frühjahr nachgedacht, sicher sei das aber noch nicht.

Der Vorhang im Welttheater ist gefallen

Das Große Welttheater Gerolzhofen ist Vergangenheit. Auch die drei Vorstellungen nach der Premiere am Samstag gingen in professioneller Weise über die Bühne in der Stadtpfarrkirche und fanden hohe Anerkennung unter den zusammen über 800 Zuschauern.

Nach der letzten Aufführung am Dienstag kam das Ensemble noch einmal zu einer Dernieren-Feier im Bürgerspital zusammen. Dabei erklärte Regisseurin Silvia Kirchhof, man habe bewusst auf eine Begrüßung der prominenten Gäste verzichtet, die die verschiedenen Aufführungen besucht haben, angefangen vom Regionalbischof des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Christian Schmidt, bis hin zu Regierungspräsident Paul Beinhofer. Eine Begrüßung hätte dem Charakter des Stücks widersprochen, in dem am Ende alle auf gleicher Ebene vor dem Meister stehen.

„Ort, an dem alle die gleiche Würde haben“

Ob das geht?“, mit dieser Frage eröffnete Dekan Günther Klöss-Schuster der Reformationsfestgottesdienst des evangelisch-lutherischen Dekanates Castell in der Gerolzhöfer Stadtpfarrkirche. „Ob das geht“ habe sich nicht nur er, sondern alle Pfarrer des Dekanats in der Vorbereitung gefragt, einen Reformationsfestgottesdienst in einer römisch katholischen Kirche zu feiern. Im Nachhinein konnte man sagen: Es ging, natürlich.

Es sei wunderbar, gemeinsam Gott zu preisen, freute sich Klöss-Schuster, der sich herzlich beim Hausherrn und katholischen Pfarrer Stefan Mai bedankte. Dieser habe, als man nachgefragt habe, „ob das geht“, diese Kirche zu nutzten, sofort mit einem deutlichen Ja geantwortet. Das sei nicht selbstverständlich, betonte der Dekan.

In den Gottesdienst integriert waren zwei Szenen aus dem Stück „Das Große Gerolzhöfer Welttheater“ nach Hugo von Hofmannsthal, welches im letzten Jahr im Rahmen der unterfränkischen Kulturtage aufgeführt wurde.

„Freiheit ist alleweil nah - mir deucht sie ist von Gott“, so ein Zitat des Bettlers, gespielt von Markus Grimm. Die beiden kurzen Sequenzen aus dem Theaterstück dienten für den evangelischen Pfarrer Jean-Pierre Barraud sowie für den katholischen Pfarrer Stefan Mai, die die Ansprachen übernahmen, als Impulse. Inhaltlich übertrugen sie die Darstellung in den Szenen auf die Themen Freiheit und Reformation. Barraud verglich den Menschen aus dem Theater, der sich zunächst weigert, einen Bettler zu spielen, mit dem alltäglichen Leben eines jeden. Dabei gebe es zwei Möglichkeiten, entweder das Schicksal einfach so hinzunehmen oder sich dagegen aufzulehnen, so der evangelische Pfarrer. „Martin Luther wählte Letzteres“, stellte er fest, „und gewann damit die Freiheit, was aber gleichsam auch den Bruch mit vielem bedeutete“, so Barraud. Doch alle könnten auf Gottes Hilfe hoffen, bekräftigte er abschließend.

Durch vielfältige musikalische Gestaltung wurde dem Festgottesdienst der würdige Rahmen verliehen. Dekanatskantor Reiner Gaar dirigierte den Kammerchor Cantantes Musici und der Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Emil Hanauer begleitete die Gemeinde beim Gesang und gestaltete den Gottesdienst festlich mit.

Stefan Mai sandte in seiner Ansprache folgende zentrale Botschaft in die nahezu vollbesetzte Stadtpfarrkirche: „Hier ist ein Ort, an dem alle vor Jesus Christus die gleiche Würde haben.“ Hier gebe es die Freiheit, dass sämtliche gesellschaftliche Barrieren aus den Angeln gehoben werden, sagte Mai.

„Baptizatus sum“ zu deutsch: Ich bin getauft. Damit habe sich Martin Luther in seiner schwierigen Zeit immer wieder Mut gemacht und trübe Stunden des Zweifels überwunden. Die Tauferinnerung sei sogar „Lebenselixier für den Reformator“ gewesen, betonte der katholische Pfarrer Mai, und spannte damit den Bogen zwischen Reformation und Taufe. Um die sich an seine Taufe zu erinnern und sie zu erneuern, war dann eine Schale mit Taufwasser aufgestellt, mit dem sich jeder Besucher ein Kreuz auf die Stirn malen konnte. Zuvor hatte der evangelische Pfarrer Jean-Pierre Barraud zur Tauferinnerung mehrere Fragen an die Gemeinde gestellt, welche diese mit den Worten „Ja, ich glaube“ beantwortete.

Im Anschluss an den Festgottesdienst fand der Jahresempfang des Dekanats Castell im Gebäude der Mittelschule statt, zu dem die Angehörigen beider Konfessionen herzlich eingeladen waren. „Über Konfessionsgrenzen hinweg gehören wir alle zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn“, sagte Pfarrer Stefan Mai am Ende.

 

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