DU MUSST DRAN GLAUBEN

 

Luther, Echter und Gerolzhofen

4180 Menschen erlebten das Wandeltheater

Mitarbeiter des städtischen Bauhofs räumen das Alte Rathaus aus, das das logistische Zentrum der Schauspieler war. Foto: Norbert Finster

 

Regisseurin Silvia Kirchhof, Projektleiterin Beate Glotzmann und zwei Mitarbeiter des Bauhofs sind im Alten Rathaus dabei, Garderobe, Requisiten und übrig gebliebene Verpflegung für die Schauspieler auszuräumen. Die beiden Frauen packen Kleidungsstücke aus der Renaissancezeit in Kisten, um sie an die Leihgeber zurückzuschicken.

Letzte Aufräumarbeiten

Die letzte Aufführung des so grandios verlaufenen Wandeltheaters„Du musst dran glauben – Luther, Echter und Gerolzhofen“ ist vorbei, die letzten Aufräumarbeiten laufen. Zeit also, Bilanz zu ziehen über das wohl größte Kulturprojekt, das jemals in Gerolzhofen gelaufen ist.

Genau 4180 Menschen aus nah und fern haben das Wandeltheater besucht, berichtet Beate Glotzmann, die auch Leiterin der Tourist-Information ist.

 

Allein 2800 Karten haben sie und ihre Mitarbeiterinnen vor Ort verkauft. Für eine finanzielle Bilanz ist es aber noch zu früh, weil noch etliche Abrechnungen fehlen.

 

Minutiöser Ablauf

Viele Theatergänger haben sich gefragt, wie es gelang, dass alle Szenen an den vier Schauplätzen und auch das Wandeln exakt zeitgleich abliefen. Das war der Freiwilligen Feuerwehr unter Kommandant Roland Feller zu verdanken. Jeden Abend war sie mit acht bis zehn Leuten im Einsatz.

Über Funk gaben die Wehrleute Hinweise an die Regie, zum Beispiel „Amtsvogtei sitzt“. Erst wenn diese Ansage für alle Spielstätten da war, gab Silvia Kirchhof das Signal „Go“. Dann hieß es zum Beispiel in der Stadtpfarrkirche „Spots on“, was wiederum das Zeichen für den Organisten war, mit seinem Spiel einzusetzen.

Die Länge der einzelnen Szenen war bekannt, doch „die Wege zwischen den Stationen waren die große Unbekannte“, sagt Silvia Kirchhof. Deswegen waren die Begleiter vom Ensemble angehalten, für ein flottes Gehtempo zu sorgen, manchmal auch in derbem Ton, was aber zum Stück passte.

Silvia Kirchhof freut sich über die große Disziplin des Publikums an allen zehn Abenden. Der Zeittakt lief nie aus dem Ruder, auch nicht durch einen Stromausfall in der Amtsvogtei.

 

Einschränkungen für Anwohner

Große Dankbarkeit herrscht auch für das Verständnis der allermeisten Anwohner in der Altstadt, die einige Einschränkungen hinnehmen mussten. Zum Beispiel durften keine Autos längs der Theater-Route stehen. Das hat sich gelohnt. „Sowohl Einheimische als auch Auswärtige haben gemerkt, um wie viel schöner Gerolzhofen ohne Autos ist“, sagt die Regisseurin.

Polizeichefin Margit Endres berichtet indessen von nur zwei Einsätze wegen falsch geparkter Autos innerhalb der Theaterzone. Einmal gab es eine Verwarnung.

I

m autofreien Stadtzentrum entwickelten sich auch Szenen außerhalb des Theaters, die sonst undenkbar wären. So haben zum Beispiel Kinder den Marktplatz zu ihrem Fußballplatz umgewandelt.

Die Rüstkammer im Alten Rathaus war Garderobe, Maske und Verpflegungsstation in einem. „Wir waren hier schon wie daheim“, sagt Silvia Kirchhof. Bereits um 15 Uhr begannen die Maskenbildner mit ihrer Arbeit. Kurz vor der Aufführung sollten die Darsteller dann noch etwas essen und trinken und noch einmal kurz zur Ruhe kommen. Dazu hatte die Regisseurin geraten.

 

Auch der liebe Gott war eingeladen

Natürlich war auch das Wetter ein Faktor zum großen Gelingen. Nicht ein einziger Aufführungsabend war verregnet. Silvia Kirchhof hat die Erklärung. „Wir haben auch den Herrgott zu unserem Spiel eingeladen.“

Treue Wegbegleiter waren fünf Soldaten vom Bundeswehr-Standort Volkach. Während Stefan Weyer auf der Bühne zu sehen war, leisteten weitere Soldaten – verkleidet als Stadtbüttel – starke Dienste als Lautsprecherträger. Das war kein Leichtes, denn eine solche Anlage wiegt 15 Kilo. Auch darüber hinaus haben die Soldaten umsichtig geholfen, wenn es nötig war, lobt Silvia Kirchhof.

Seit fast zwei Jahren haben das Kleine Stadttheater und Tourist-Info eng zusammengearbeitet. Beate Glotzmann und ihre Mitarbeiterinnen nahmen der Regisseurin eine Menge Verwaltungsarbeit von den Schultern. Sie erstellten Förderanträge, sorgten für gedrucktes Werbematerial, organisierten und bewirteten bei den Empfängen, hielten Regenschutz für den – nicht eingetretenen – Notfall bereit und verkauften die Tickets. Dabei erklärten sie vielen Theatergängern, wie das Wandeltheater funktioniert.

 

Sonderschichten des Bauhofs

Auch die Leute vom städtischen Bauhof leisteten Sonderschichten, selbst am Sonntag, als die Requisiten von den anderen Spielorten in die Stadthalle zur barrierefreien Aufführung gebracht und hinterher für den Abend wieder zurücktransportiert werden mussten.

Sehr viel Arbeit hatte die Projektgruppe „Inhalt“ mit den Pfarrern Reiner Apel und Stefan Mai, Dr. Dietmar Kretz (Studienleiter an der Domschule Würzburg), Museumsleiter Klaus Vogt, Sabine Wolf (Vorsitzende des Historischen Vereins) sowie Monika Freiberger und Silvia Kirchhof von der Regie. Kirchhof: „Wir wollten, dass es auch von wissenschaftlicher Seite keine Einwände gibt.“

Auch die Gastronomie profitierte vom Wandeltheater. Laut Beate Glotzmann waren die Lokale vor den Aufführungen voll. Allerdings gab es für die Gäste hinterher kaum noch eine Chance, einen Absacker zu nehmen, denn fast alle Betriebe waren schon zu.

 

Erst einmal keine Uraufführung mehr

Und was macht das Kleine Stadttheater als nächstes? Silvia Kirchhof verrät nicht mehr, als dass ihr dazu schon zwei Gedanken durch den Kopf gehen. Sicher ist aber, dass das nächste Projekt keine Uraufführung mehr wird, sondern eher etwas aus der Theaterliteratur.

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© Silvia Kirchhof